Altösterreichischer Tümmler (Kiebitz) und Budapester Kiebitz
Mit dem Erscheinen der Altösterreichischen Kiebitze
rückten auch die Budapester wieder mehr in den Mittelpunkt. In
wenigen Jahren fanden sich für die kleinen, eigentlich hauptsächlich
wegen ihres kontrastreichen Zeichnungsbildes auffälligen Tauben,
viele Liebhaber und Züchter.
Ich selber besitze die Altösterreichischen Kiebitze schon seit
1994. Allerdings habe ich sie als Altwiener Kiebitze erworben und sie
auch in recht alter Literatur nur unter diesem Namen gefunden. Edmund
Zurth beschreibt sie in seinem Buch "Unsere Tauben" als eine
der ältesten Taubenrassen Wiens.
Warum die Namensänderung erfolgte, ist aber nicht meine
Aufgabe zu klären. Tauben mit diesem Zeichnungsbild bekam ich schon
Mitte der sechziger Jahre zu sehen. Der unvergessene Emil Schmidt, Magdeburg,
brachte sie im blauen Farbenschlag von einer Urlaubsreise aus der Lausitz
mit. Allerdings hatte er sie als "Prager Schwalben" erworben.
Sie sahen dem heutigen Budapester recht ähnlich und hatten eine
leicht rötliche Iris. Er verwandte sie zum Aufbau der Wiener Kiebitze
in blau. Leider beendete der Besuch eines Marders auf seinem Schlag
die jahrelangen Bemühungen.
Dann sah ich die Kiebitze (Budapester) Ende der achtziger
Jahre wieder. In den Standard der ehemaligen DDR wurden sie zwischen
1990 und 1992 aufgenommen. Zu sehen gab es sie aber nur selten und die
wenigen vorgestellten Tiere mussten reichlich geputzt werden. Die Wiener
Züchter konnten sich damals für sie nicht so begeistern, denn
sie entsprechen in den Kopf- und Schnabelpunkten sowie in der Irisfarbe
nicht so ihren Idealvorstellungen. (leider)
In der letzten Schausaison musste ich feststellen, dass mit der zunehmenden
Zahl der Tiere auf den Ausstellungen auch die Verwirrung unter den Züchtern
zugenommen hat. Da stehen Tiere als Budapester Kiebitze und sehen kein
bisschen anders aus als die Altösterreichischen Kiebitze. Ohne
Zweifel sind beide verwandt und wurden und werden sicher auch heute
noch wissentlich oder unwissentlich miteinander verbunden. Gefestigt
wurde bei ihnen eigentlich nur eine bestimmte Größe und das
Zeichnungsbild.
Gerade in den Anfangsjahren meiner Zucht fielen bei mir häufig
Tiere mit hellen Augen auf. Es kam auch vor, dass Alttiere in der Irisfarbe
wieder aufhellten. Plattige und zu lange Tieren fielen selbstverständlich
auch. Überrascht war ich auch bei den ersten Jungtieren. Sie fielen
als Schimmel und halbe Dunkelstörche, hatten rostige Binden und
auch Schwingenfarben. Erst nach der Mauser erhielten sie ihre richtige
Färbung. Zuerst habe ich das zur Kenntnis genommen. Sie waren ja
zu der Zeit nicht ausstellungsfähig auch ich hatte sie als Ammentauben
und zum Fliegen. Sie zogen und ziehen auch heute noch ganz zuverlässig
und flogen nach meinem ganz persönlichen Geschmack - nicht zu lange
und nicht zu hoch, d. h. maximal in Schmetterlingshöhe und eine
knappe Stunde. Mit der Anerkennung begann bei mir die Selektion und
auch die ersten Schwierigkeiten. Betonen möchte ich, dass der Standard
der Altösterreicher für das Züchten von Kiebitzen hervorragend
abgefasst ist, denn hier wurden die Hauptschwierigkeiten in der Zucht
entsprechend berücksichtigt. Unglücklich formuliert ist allerdings
die Keilfarbe. Sie darf nicht weiß angestrebt werden! Sie sollte
aber weiß gestattet sein. Vergleichen wir beide Rassen lt. Ihrer
Musterbeschreibung, so konzentrieren sich die Unterschiede hauptsächlich
auf die Kopfformen, bei den blauen in der Augenfarbe, den Schnäbeln,
in der Halshaltung und seiner "Stärke", den Läufen
(einer kurz - der andere mittellang, sowie der Keilfarbe. Hat man die
Bilder vor sich liegen, gibt es kaum Probleme in der Unterscheidung.
Der derzeitige Zuchtstand sieht aber etwas anders aus. Da kann ich schon
verstehen, wenn dieser oder jener Zuchtfreund auf den Gedanken kommt
zu meinen, dass er ja eigentlich beide Rassen besitzt. Fallen sie mit
helleren Augen sind es Budapester und mit dunkleren werden sie zu Altösterreichern.
Deshalb vertrete ich die Auffassung das kurze oder mittellange Läufe,
Rücken abfallend oder leicht abfallend Dinge sind, welche z. Z.
nicht den Schwerpunkt in der Rassenunterscheidung ausmachen sollten.
Beachtet muss es schon werden. Die Kopfformen und bei den Blauen die
Augen sind z. B. Merkmale, die jeder sieht und wo angesetzt werden sollte,
denn sonst gibt es in 10 Jahren noch keinen realen Unterschied. Steht
der Altösterreicher aufgeregt im Käfig und ist von der Figur
vielleicht auch noch etwas zart geraten, so hält er den Hals schon
gerade und macht ihn auch lang und schlank. So gesehen bleibt der Kopf
und das Auge bei den Blauen vorerst schon einmal mit ein Hauptmerkmal.
Selbstverständlich halte ich beim Bewerten nichts von Übertreibungen
und alles sollte mit dem nötigen Fingerspitzengefühl angegangen
werden, aber es kann natürlich nicht sein, dass ein blaues, rundköpfiges
und braunäugiges Tier im Käfig steht und als Budapester präsentiert
wird. Im schwarzen Farbenschlag wird es ja noch komplizierter, wenn
das Tier im Oberkopf nicht einmal abgeflacht ist und trotzdem ein Budapester
sein soll. Ein so riesiges Problem stellt das Festigen der Rasseunterscheidungsmerkmale
ja eigentlich nicht dar. Es muss nur ernsthaft und miteinander daran
gearbeitet werden. Aus den Inseraten in unserer Fachzeitschrift ist
ersichtlich, dass sich um das Miteinander bemüht wird.
Wenn ich vom Auftreten von Schwierigkeiten in meiner Zucht sprach, so
betraf es u. a. auch das Zeichnungsbild. Ein Problem, von welchem in
der Zucht von Kiebitzen jeder mehr oder weniger betroffen ist. Beim
Budapester wird wie beim Wiener Kiebitz verlangt - weiß ab Flügelbug,
farbiger Rücken und Keil. Wenn Tiere tatsächlich so gefärbt
sind, dann ist der weiß verlange Teil so bunt, dass nur durch
ein starkes Putzen das erwünschte Zeichnungsbild hergestellt werden
kann. Die Schenkel sind bei den Schwarzen zu 90 % farbig. Wenn man solche
Tiere weiter miteinander verpaart führt es früher oder später
fast zur Einfarbigkeit. Es ist deshalb eine ständige Ausgleichspaarung
erforderlich. Doch wer hält sich Tiere zur reinen Ausgleichsverpaarung
über lange Jahre, wenn sie nicht ausgestellt werden können.
Deshalb finde ich die Standardformulierung bei den Altösterreichischen
Kiebitzen als gut gelungen. Hier steht: "die Zeichnung sollte möglichst
auf der Brust in Höhe des Flügelbuges abschneiden. Der Rücken
wird farbig angestrebt und der Keil sollte weiß gestattet sein."
(letzteres steht leider nicht ganz so drin) Damit ist die erforderliche
Toleranzgrenze für den Zeichnungsbereich in der Zucht von Kiebitzen
klar berücksichtigt. Geklärt ist mit den Formulierungen natürlich
auch eindeutig, dass Tiere mit farbigem Rücken und Keil bei Gleichwertigkeit
den Vorzug erhalten. Die notwendigen Ausgleichstiere mit weißem
Keil und nicht ganz durchgefärbtem Rücken fallen aber auch
nicht durch. Es bleibt also der erforderliche und unbedingt notwendige
züchterische Spielraum. Würde man z. B. zur jetzigen Zeit
darauf bestehen, dass die Halsfärbung unbedingt bis zum Bug gehen
muss, so würden sicher
80 % aller gezeigten Tiere das "SG" nicht erreichen. Die Zeichnung
liegt nämlich deutlich höher.
Um diese aber tiefer zu erhalten, möchten einige Züchter den
farbigen Keil und Rücken im Standard festgehalten haben. Das ist
aber überhaupt nicht nötig. Wer das möchte, soll es einfach
tun, denn der Standard der Altösterreicher fordert ihn ja fast
dazu auf. Auch wenn ich mich wiederhole "Rücken farbig angestrebt"
heißt nichts anderes als das der farbige Rücken gewünscht
wird. Gleiches gilt für die Keilfärbung. Wenn ich zu dem Punkt
"Standardformulierung" etwas mehr geschrieben habe, so geht
es mir vorrangig um den Erhalt des züchterischen Spielraumes im
Standard. Haben wir zur Zeit einen etwas höheren Brustschnitt,
so kann es in 10 Jahren genau das Gegenteil sein, ob sich aber dann
noch Ausgleichsmaterial finden lässt? Ein Erfahrungsaustausch mit
Züchtern von Wiener Kiebitzen würde hier schnell Aufklärung
bringen. Wir verfügen über hervorragende
Züchter. Die Budapester werden von unserem SV schon Jahrzehnte
betreut und die Altösterreichischen Kiebitze sind ja eigentlich
die Altwiener Kiebitze und deshalb auch eine unserer "Spielarten".
Sollte Interesse an einer Mitgliedschaft in unserem SV bestehen, so
stehen wir ihnen gern zu Verfügung. Ansprechpartner sind die Vorsitzenden
unserer SV-Gruppen aber auch ich freue mich über jedes Interesse
an unserem SV.
Wolfgang Meyer
Zuchtwart